Blutlinien
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Was hat das mit den Blutlinien auf sich?


Der Legende nach gab es einst drei Brüder, deren Zwist darin lag, wer der rechtmäßige Erstgeborene sei, um als nächster Regent in der all-einen Blutlinie über Land und Volk zu herrschen. Jeder der Brüder fand Anhänger und so teilte sich das Volk in Drei. So teilte sich eine Blutlinie in drei Blutlinien: die der Blutfalken, die der Dornenfüchse und die der Silberwölfe. Jede Blutlinie hat für sich ihre Eigenschaften und Werte. Was aber allen Blutlinien gleich ist: Einer, der ohne Blutlinie ist, sich also zu keiner der drei bekennt, der lebt schon bald als Außenseiter. Und Außenseiter haben kein leichtes Leben...


Blutfalken
Den Überlieferungen nach waren die Blutfalken jene, die versucht hatten, die Gemeinschaft, die Blutlinien zusammen zu halten. Ihnen tat die Teilung wohl am meisten weh, denn ihre heiligsten Werte waren Harmonie und Zusammengehörigkeit. Fast jeder war den Blutfalken ein gern gesehener und willkommener Gast. Man fand immer einen Platz oder ein nettes Gespräch. Und so man wollte, konnte man viel Wissenswertes erfahren, denn die Blutfalken waren mitunter die belesensten der Blutlinien. Nach dem Krieg, der die Blutfalken am heftigsten getroffen hat, und der damit verbundenen Großen Stille, wurde es sehr ruhig um die Blutfalken. Sie waren die ersten gewesen, die die Gefahr erkannt haben, die die Große Stille mit sich brachte. So haben sie sich zusammengesetzt, Literatur studiert und philosophische Gesprächskreise gehalten, um für jede mögliche Wendung des Schicksals eine mögliche Lösung zu finden. Das Wichtigste war ihnen dabei, dass sich jeder auf den anderen verlassen konnte, denn jede Kette ist nur so stark wie ihr schwächstes Glied. Der Starke half dem Schwachen. Nur dieser Gemeinschaftssinn der Zusammenhalt ließ sie daran glauben, dass sich irgendwann in der Zukunft alles zum Guten wenden würde. Noch heute pflegt ein blutstreuer Blutfalke seine Beziehungen zu anderen Lebewesen sorgsam. Ihm sind Werte wie Loyalität, Harmonie, Respekt und Fürsorge bereits in die Wiege gelegt worden. Er kämpft für diese Werte, die ihn stets daran glauben lassen, dass es für das Böse, das Schlechte, das Unmoralische einfach keinen Platz auf dieser Welt zu geben hat.

Dornenfüchse
Die Dornenfüchse waren in der Alten Zeit ein eigenbrödlerisches Völkchen und meistens nur unter sich. Die Teilung schien ihnen wie gerufen zu kommen. Auch wenn sie nicht gerade vom Ehrgeiz geschüttelt wurden, so hielten sie dennoch in Schuss, was in Schuss gehalten werden musste. Jedoch interessierten sie sich kaum für Fortschritt, denn so wie es gerade lief, schien es ja ganz gut zu funktionieren. Weshalb also Neuartiges wagen und damit womöglich scheitern? Die Dornenfüchse genossen die Gesellschaft anderer, sie waren sehr gesellig. Zumindest, solange sie sich unter ihresgleichen befanden. Wer als fremdartiger Neuling zu den Dornenfüchsen stieß oder gar neumodische Gedanken vorstellte, machte sich kaum Freunde: Mit Argwohn und Misstrauen betrachteten sie diese neuen Werte, um sie am Ende doch wieder naserümpfend abzulehnen. Dann kam die Große Stille und sie mussten wieder mit den anderen Blutlinien zurammenrücken. Mit den Blutfalken arrangierten sie sich soweit ganz gut, mit den Silberwölfen nur, wenn es sich nicht vermeiden ließ. Noch spürt oder sieht man gar die Abneigung, die die Dornenfüchse den Silberwölfen gegenüber empfinden, selbst wenn sie es zu verhehlen versuchen.

Silberwölfe
Die Silberwölfe waren, so sagt man es ihnen nach, die überheblichsten aller Lebewesen in Dreythal. Ihnen angeboren war eine gewisse Arroganz und die damit verbundene Blasiertheit, mit der sie Dinge betrachtet und behandelt haben. Ein Silberwolf war stets darum bemüht, gut dazustehen. Was andere von ihm dachten, war ihm oft wichtiger als so manch anderes. So kam es folglich, dass ein Silberwolf fast schon übertrieben interessiert war an intellektueller Bereicherung oder fachwerklichem Geschick. Nach dem Fall der Großen Stille hatte der silberwölfische Hochmut einen Dämpfer erhalten, denn man hatte festgestellt, dass auch Stolz und Würde nicht unbedingt vor Krieg und Verderben schützen. Die Silberwölfe hatten schwer an ihren Wunden zu lecken, aber schließlich fanden sie ihre Contencance wieder. Der alten Strebsamkeit fleißig folgend, erhoben sich die Silberwölfe, streckten ihre Häupter und zeigten wieder, was es heißt, mit Stolz durch die Welt zu gehen. Noch kann man einem waschechten Silberwolf durchaus ansehen, dass er dieser Blutlinie entstammt. Selten wird er Herausforderungen ablehnen oder einen feigen Rückzieher machen. Seine und die Ehre seiner Familie ist ihm heilig. Sich zu beweisen scheint eines seiner Lebensziele zu sein.

Copyright 2002, Eric Stevens